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Geschrieben von Manus Thoen (Senior Researcher Phytopathology)
Dieser erscheint auf den ersten Blick einleuchtend. Wenn wir endlich über eine starke Resistenz wie HREZ verfügen, warum sollten wir dann weiterhin Zeit und Geld in Hygieneroutinen investieren? Warum Werkzeuge desinfizieren, Bewegungen einschränken oder Trays reinigen, wenn die Pflanze das Virus doch selbst bekämpfen kann? Es erscheint logisch. Es erscheint effizient. Doch wie wir im Laufe dieser Serie gesehen haben, weisen Intuition und Biologie nicht immer in dieselbe Richtung.
Lassen Sie mich mit einem Geständnis beginnen. Ich bin Phytopathologe, was bedeutet, dass meine berufliche Superkraft darin besteht, Pflanzen absichtlich zu töten. Sie anzubauen ist etwas, das mein Großvater weitaus besser verstanden hat, als ich es jemals tun werde. Bei Enza Zaden sprechen wir viel davon, ein Familienunternehmen zu sein, das in Generationen denkt, und diese Philosophie fühlt sich für mich sehr real an, wenn ich mir das alte Foto von ihm in seinem Gewächshaus ansehe. Es ist in den 1960er Jahren, er ist umgeben von Körben voller Tomaten, ein paar Freunden, von denen einer Tabak raucht. Was könnte daran schon schlimm sein? Eine andere Ära, in der Tat. Keine Diagnostik. Keine molekularen Marker. Keine globalen Viruswarnungen. Nur Vertrauen in das Saatgut, die Ernte und die kommende Saison.
Mein Großvater, Nico Enthoven, steht in der Mitte dieses Bildes. Irgendwann in den 1960er Jahren. Körbe voller Tomaten, eine Zigarette in der Hand und eine Gewächshauskultur, in der „Hygiene“ bedeutete, sich vor dem Mittagessen das Hemd abzuklopfen.
Heute sieht alles anders aus. Wir verstehen Viren besser. Wir verstehen Resistenzen besser. Und im Laufe dieser Serie, in der wir mit Mythen aufräumen, haben wir uns ein klareres Bild davon gemacht, wie HREZ tatsächlich funktioniert.
All diese Erkenntnisse führen ganz natürlich zu diesem letzten Kapitel: Hygiene. Denn alles, was wir bisher gelernt haben, lässt nur einen Schluss zu: Resistenz ist stark – aber der Infektionsdruck bestimmt das Ergebnis.
HREZ verleiht der Pflanze eine starke, aktive Abwehr, verhindert aber nicht, dass das Virus auf der Pflanze landet oder in die erste Zelle eindringt. Die Gewächshausumgebung spielt weiterhin eine wichtige Rolle. Resistenz bekämpft das Virus in der Pflanze. Hygiene kümmert sich um alles, bevor es überhaupt so weit kommt.
„Resistenz bedeutet, dass die Pflanze das Virus bekämpfen kann, nachdem es eingedrungen ist. Immunität – also dass ToBRFV überhaupt nicht eindringen kann, gibt es bei Tomaten nicht. Mit HREZ verhindert die Pflanze aktiv, dass sich ToBRFV ausbreitet, aber das bedeutet nicht, dass das Virus aus dem Gewächshaus verschwindet. Um das Beste aus dieser hohen Resistenz herauszuholen, brauchen wir Hygiene!
Bei guter Hygiene geht es nicht um Perfektion. Es geht darum, die Anzahl der Gelegenheiten zu verringern, bei denen das Virus übertragen werden kann. Jedes ungereinigte Werkzeug, jedes wiederverwendete Tray und jeder Handschuh, der mit mehreren Pflanzen in in Berührung kommt, bietet dem ToBRFV eine neue Möglichkeit, sich auszubreiten. Saubere Werkzeuge. Saubere Hände. Saubere Übergänge zwischen den Bereichen. Diese einfachen Gewohnheiten halten das Risiko gering und ermöglichen es HREZ, seine optimale Leistung zu erbringen.
Die Forschung zu ToBRFV liefert eine praxisnahe Botschaft für Erzeuger. Samarah et al. (2020) zeigten, dass das Virus, wenn Tomaten infiziert werden, an jedem Samen haftet, selbst wenn die Frucht normal aussieht, und dort bleibt, sofern man es nicht aktiv entfernt. Die gleiche Studie zeigte auch, dass eine sachgerechte Desinfektion das Virus vollständig beseitigen und sogar die Keimung verbessern kann. Dies zeig uns, dass ein sauber Start möglich ist, aber nicht automatisch erfolgt. Sobald ToBRFV vorhanden ist, verhält es sich wie ein hartnäckiger blinder Passagier und haftet mit überraschender Hartnäckigkeit an Oberflächen, Werkzeugen, Handschuhen und Trays.
Skelton et al. (2023) stellten fest, dass das Virus stundenlang auf Händen und über Tage bis Monate auf gängigen Gewächshausmaterialien überleben kann und dass gewöhnliches Händewaschen oder eine milde Reinigung nicht ausreichen, um es zu entfernen.
Für Erzeuger bedeutet das: Wenn das Virus den gesamte Weg von der Frucht über das Saatgut bis zur Jungpflanze überstehen und dann noch lange nach Arbeitsende auf Geräten verbleiben kann, kann es sich leicht im Gewächshaus ausbreiten, sofern die Hygiene nicht ernst genommen wird. Sauberes Ausgangsmaterial reduziert die Anzahl der Infektionsversuche am ersten Tag, und saubere Werkzeuge und Hände reduzieren die Anzahl der Infektionsversuche an jedem folgenden Tag. Je weniger Chancen das Virus erhält, desto zuverlässiger kann HREZ seine Aufgabe erfüllen.
In diesem Blog geht es nicht darum, welche konkreten Maßnahmen Sie ergreifen können, um Ihre Hygiene in Ordnung zu bringen. Das ist weder mein Fachgebiet noch meine Verantwortung. Rückblickend hätte ich besser zuhören sollen, als mein Großvater mir als kleiner Junge Geschichten aus der guten alten Zeit erzählte.
In diesem Blog geht es um HREZ und dessen Zusammenhang mit der Hygiene. HREZ ist wirksam. Hygiene ist unverzichtbar. Und die Erzeuger, die beides miteinander verbinden, sind diejenigen, die dem ToBRFV einen Schritt voraus sind.
Das ist die Synergie, die den modernen Tomatenanbau auszeichnet. Die Resistenz verhindert, dass sich das Virus in der Pflanze ausbreitet. Die Hygiene sorgt dafür, dass das Virus gar nicht erst in die Pflanze gelangt. Gemeinsam schützen sie Ihre Kultur, Ihre Saison und die Zukunftsfähigkeit von HREZ für die kommenden Jahre.